Obi Turnier 8/2011

Auf das zu hören, was Frauchen will – das ist nicht unbedingt „jederhunds“ Sache. Doch Martina Nickel-Stöberl und Merle sind ein eingespieltes Team. Wie ein Schatten läuft die Hündin neben ihrer Besitzerin her. Jedes Kommando wird brav befolgt. Auch aus der Distanz. Leistungsrichter Karl Weber aus Wien ist zufrieden. Das Duo schließt die Prüfung mit dem Prädikat „vorzüglich“ ab.

„Im kommenden Jahr werden wir uns an die nächsthöhere Stufe wagen“, sagt Martina Nickel-Stöberl. Während sie bereits die Zukunft vor Augen hat, hat ihre Australian Shepherd-Dame nur eins im Sinn: Leckerli. Die hat sie sich redlich verdient. „Das hast du ganz toll gemacht“, lobt das stolze Frauchen.

Mit jeweils 25 Starts an beiden Tagen war das zweite Obedience-Turnier des Hundesportvereins HSV Bergkamen wieder ausgebucht. Aus dem gesamten Ruhrgebiet, dem Münsterland, ja sogar aus Norddeutschland kamen die Teilnehmer. Auch Heike Cross und Border-Collie Enja standen auf der Liste. „Obedience“, sagt die Hundeführerin aus Hamm, „das ist Gehorsam par excellence.“ Die Fähigkeiten des Tieres gehen weit über das übliche „Platz!“ und „Sitz!“ hinaus. Wer sich der Sportart aus Großbritannien verschrieben hat, der muss Geduld und Zeit aufbringen. Cross hat sie vor drei Jahren für sich entdeckt. Übers Knie brechen aber, sagt sie, möchte sie nichts. Zweimal die Woche trainiert sie auf dem Hundeplatz in Bergkamen. „Wenn das Wetter nicht mitspielt, auch schon einmal im Wohnzimmer.“ Vier Leistungsklassen gibt es, Cross startet mit Enja in der ersten. Zu den Prüfungsbedingungen zählen Apportieren, das Vorausschicken in eine Box und der Sprung über eine Hürde. Obwohl das Duo bereits vor seinem dritten Turnier steht, ist die Anspannung groß: „Man macht sich viel zu nervös“, seufzt Cross.

Dieses Problem kennt auch Bernd Rothenpieler. „Wir können noch so viel üben, eine Prüfung ist immer eine besondere Herausforderung“, weiß der erste Vorsitzende des HSV Bergkamen. Stimme, Verhalten, Adrenalinausstoß – alles ändere sich. Sogar der Körpergeruch des Herrchens. „Das merkt der Hund.“ Der jedoch soll sich von keinem Ball, keiner Fliege, die vor seiner Nase landet, ablenken lassen. Präzision, zügiges Reagieren und allen voran Kopfarbeit sind gefragt. Der Vierbeiner – ob West Highland White Terrier, Malinois oder auch Mischling – wird körperlich und geistig gefordert. Anfangs, erzählt Heike Cross, war ihre Enja hyperaktiv, ging über Tische und Bänke. Heute ist sie ausgeglichen, die Wohnung wird nicht mehr umdekoriert. Das Training trägt Früchte. Der Spaß steht an vorderster Stelle – und auch die Belohnung kommt nicht zu kurz. Am Ende teilen sich Hundedame und Frauchen einen Apfel. „Der“, sagt Cross lachend, „schmeckt uns beiden.“

Quelle: Westfälischer Anzeiger

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