Alle Tricks sind erlaubt

Bergkamen. Um Höchstleistung im gemischten Doppel ging es beim Hunderennen auf dem Hundeplatz am Buchenweg. Herrchen oder Frauchen und Hund mussten gemeinsam alles geben.

Eine Dopingkontrolle muss bei diesem Sprint niemand fürchten, Tricks sind ausdrücklich erlaubt. Wer nicht aus dem Vollen schöpft, ist selbst schuld. Sabrina Pfeiffer weiß das nur zu gut. „Mein erstes Rennen ging in die Hose, weil ich mich nicht zum Deppen machen wollte.“
 
Beim Dog-Racing, das der Hundesportverein (HSV) Bergkamen am Samstag zum zweiten Mal veranstaltet, kommt es auf den Einsatz von Vier- und Zweibeinern an. Herrchen oder Frauchen laufen die 50-Meter-Strecke voraus, manchmal gleich die ganze Familie im Schlepptau. Um den Hund zu sportlichen Höchstleistungen anzuspornen, sind alle Mittel recht. Manche Halter packen hinter der Ziellinie Leckerli oder das Lieblings-Quietschtier aus, andere warten dort mit einem Spielgefährten an der Leine.
„Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Die Besitzer können rufen, quietschen, pfeifen, jodeln, tanzen oder auch einen Radschlag machen“, erklärt Sabrina Pfeiffer.
Sie hat den Wettkampf auf dem Vereinsgelände am Buchenweg mit organisiert, teilt Startnummern aus und hält die Zeiten fest. „Tausendstelsekunden können heute entscheiden“, hält sie die Spannung hoch. Zweimal geht jedes Team an den Start, der bessere Lauf wird gewertet.
Aus Gründen der Fairness messen sich die 86 Hunde in sieben Klassen (siehe Infokasten). „Wären heute auch Windhunde gemeldet, würden diese gesondert an den Start gehen“, sagt Sabrina Pfeiffer, die mit ihrer Australian-Shepherd-Hündin Maja selbst ihr Glück versuchen will.
 
Da Schnelligkeit keine Sache der Größe ist, treten neben Schäferhunden und Border Collies auch Jack Russell Terrier, Chihuahuas und Zwergpudel an. Bettina Bals aus Niederaden schickt Rauhaardackeldame „Mücke“ ins Rennen. „Letztes Mal sind wir unter ferner liefen gelandet“, sagt die Besitzerin. Um mangelnde Unterstützung muss sie sich am Samstag nicht sorgen, denn ihre Freunde von den „Minidoggys“ sind mit angereist. Die Besitzer kleinrassiger Hunde feuern sich gegenseitig an. Trotzdem rechnet sich Bettina Bals am Samstag nicht die größten Chancen aus. Doch um Pokale geht es ihr ohnehin nicht. „Was zählt, ist der Spaß.“
Den haben auch die Zuschauer, wenn kleine Hunde mit kurzen Beinen, aber um so stärkerem Willen auf einmal so lospreschen, dass die Ohren schlackern, der Schwanz weht und ihre Körper über die Rasenpiste zu fliegen scheinen. Die Frisuren überstehen den Sprint zwar in der Regel nicht, aber am Ende sind Vier- und Zweibeiner wieder glücklich vereint.
Einige Hunde schaffen die Distanz sogar in weniger als fünf Sekunden. Davon können sich Frauchen und Herrchen noch eine Scheibe abschneiden.
„Vielleicht hätten wir eine Flasche Bier als Köder bereithalten sollen“, witzelt ein Zaungast, als sich ein zweibeiniger Teilnehmer dem Ziel nur im Schneckentempo nähert.
 
 

Unterschiedliche Klassen

Beim Dog-Racing traten die Hunde in unterschiedlichen
Klassen an.
Dabei gab es folgende Klassen und Ergebnisse:
 
- Welpe bis 6 Monate
- Junghund 6 bis 12 Monate
- Super-Minis bis 24 Zentimeter (älter als 12 Monate)
- Mini ab 25 bis 40 Zentimeter (älter als 12 Monate)
- Medi ab 41 bis 50 Zentimeter (älter als 12 Monate)
- Maxi ab 51 Zentimeter (älter als 12 Monate)
- Senior ab 10 Jahre.
 
Auch wenn niemand zur Urinprobe muss:
Ein gültiger Impfpass ist beim Dog-Racing
Startvoraussetzung.
 
Quelle: Ruhrnachrichten
 
 
 

Vom Hunderennen bis zum Hundetanz

Exotisch sind solche Rennen, wie sie der HSV Bergkamen veranstaltet, mittlerweile längst nicht mehr. „Die gibt es inzwischen überall“, weiß Sabrina Pfeiffer.
Trotzdem kommen die Teilnehmer des Bergkamener Wettkampfes nicht nur aus der Region. Auch aus Gelsenkirchen, Bochum, Menden und Dortmund haben sich Teams angemeldet. Lucie Sönnichsen ist aus Gladbeck angereist. Mit „Captain Jack Sparrow“, einem jungen Australian Shepherd, fährt sie von Rennen zu Rennen. In Bergkamen kommt der Rüde im ersten Durchgang auf eine Zeit von 5,7 Sekunden. „Er hat leider zu früh abgebremst“, hadert seine Besitzerin. Jacks Bestzeit liege bei unter fünf Sekunden.
Das Dog-Racing will der HSV auch im nächsten Jahr ausrichten. „Die Planung nimmt zwar jedes Mal Monate in Anspruch, doch der Aufwand lohnt sich“, findet Sabrina Pfeiffer. Möglichkeiten, die Kommunikation zwischen Mensch und Hund zu stärken, gebe es inzwischen viele – bis hin zum Dog-Dancing. „Dabei führen Mensch und Hund eine Choreografie mit Drehungen und weiteren Tanzfiguren vor.
“Der HSV allerdings, so Pfeiffer, habe nicht vor, demnächst auch das Dog-Dancing anzubieten. Die heimischen Hundesportler bilden im Bereich Begleithund, Agility und Obedience aus. Turniere und Prüfungen stehen regelmäßig an.
 
Quelle: Ruhrnachrichten