Agility Turnier 8/2012

Erstmals richtete der Bergkamener Hundesportverein ein Agility-Turnier aus und die, die gekommen waren, ließen sich auch vom Regen nicht abschrecken. Flink und meist fehlerlos absolvierten Hund und Herrchen den Parcours und sammelten gemeinsam Punkte.

Vorwitzige Schnauzen lugten aus den bunten Zelten, die den abgesteckten Platz säumten. Einige Schaulustige hatten sich am Rande des Geschehens versammelt, um den gut hundert Startern trotz des bescheidenen Wetters die Daumen zu drücken.

Am Samstag und Sonntag, 4. und 5. August, trug der Bergkamener Hundesportverein erstmalig ein Agility-Turnier aus. Diese beliebte Hundesportart, die ursprünglich aus England stammt, fordert bei Hund und Herrchen gleichermaßen Körper und Kopf. Geleitet durch Stimmkommandos und Körpersignale des Hundeführers muss der Vierbeiner einen Parcours schnell und fehlerfrei in einer festgelegten Reihenfolge bewältigen.

Dabei „ist der Hund in der Regel gut,“ verriet Torsten de Vries, Mitglied im HSV Bergkamen. Die Schwächen liegen – wie so oft – beim Menschen. Wie anspruchsvoll Agility ist, zeigte sich mit Beginn des sonntäglichen Wettbewerbs. Pünktlich um 9 Uhr setzte mit den Begrüßungsworten des Veranstalters feiner Nieselregen ein. Man nahm das „Hundewetter“ mit Humor und verfolgte gebannt die ersten Starter des Tages, die sich sogleich an der schwierigsten Prüfungsklasse versuchten.

Echte Herausforderung

Wie der Blitz fegte ein Hund nach dem anderen über den Rasen, sprang geschickt über die Hindernisse und wieselte flink Rampe und Wippe hinauf und hinunter – immer dicht gefolgt von seinem Besitzer, der den Ton angab.

Was zunächst spielend leicht anmutete, entpuppte sich spätestens ab dem blauen Tunnel, in den die übereifrigen Vierbeiner häufig verkehrt herum hineinflitzten, als Herausforderung für die Hundeführer. Absoluter Gehorsam, Disziplin und ein Vertrauensverhältnis zwischen Tier und Menschen sind die Basis dieses Geschicklichkeitssports.

„Das ist ein Team, was da läuft,“ erklärte de Vries. „Ein Hund macht nur das, was man ihm anzeigt.“ Die Teilnahme in der höchsten Prüfungsklasse erfordert jahrelanges Training. Die Nr. 4 machte schließlich das Rennen in diesem ersten, tückischen Parcours. Reinhold Kurzok, der Besitzer der Siegerhündin Enya, nimmt mit Herzblut am freitäglichen Agility-Training im gastgebenden Verein teil: „Es kann zur Sucht werden. Denn kein Parcours ist wie der andere.“

Nicht nur der Reiz des Unbekannten, sondern auch das Vertraute macht Agility zu einer spannenden Sportart: Die Hundefreunde kennen sich untereinander. Man trifft sich auf örtlichen Turnieren, trinkt Kaffee und isst Würstchen – wie auch in diesen zwei Tagen in Bergkamen.

In der kleinen Zeltstadt herrschte eine spürbar gemütliche Atmosphäre. Norbert Meyer hatte für das Wochenende ebenfalls sein Lager am Hundeplatz aufgeschlagen und genoss die Ruhe, obwohl „Hunde aller Rassen am Turnier teilnehmen können.“ Ein Chaos aus ineinander verwickelten Leinen, Herrchen und Vierbeinern blieb aus.

Nur Vierbeiner, die grundlegenden Gehorsam bewiesen haben, dürfen Agility betreiben, daher „sind das hier alles gut sozialisierte Hunde“, so Torsten de Vries. Am Samstag hätten sich jedoch zwei Hunde gebissen. Jene beiden Vierbeiner sollten vielleicht zu den „Obedience Tagen“, einem Gehorsamkeitslehrgang, am 23. und 24. September noch einmal vorbeikommen. Dann wird man ihnen schon beibringen, was es heißt, sich zu benehmen.

Quelle: WAZ


Enya dreht voll auf. Wie ein Blitz saust sie durch den dunklen Tunnel, überspringt die Hürden spielend und gleitet mit der Eleganz einer Gazelle durch den Slalom. Die Konkurrenz ist chancenlos. Die Mini-Aussie-Dame sichert sich den ersten Platz – und Extra-Streicheleinheiten.

Ihr Herrchen platzt vor Stolz. „Das war Enyas bester und schnellster Lauf“, lobt Reinhold Kurzok seine Spitzensportlerin auf vier Pfoten. Die preisgekrönte Hündin war am Wochenende nicht die Einzige, die mit fliegenden Öhrchen ein Hindernis nach dem nächsten nahm. Der HSV Bergkamen 1919 veranstaltete sein erstes Agility-Turnier auf dem Vereinsgelände am Buchenweg. In drei Schwierigkeitsklassen gingen die 100 Teilnehmer – vom quirligen West Highland White Terrier bis hin zum ausgewachsenen Border Collie – an den Start. Auch zwischen den Größen der Vierbeiner wurde unterschieden.

Seine Wurzeln hat die Hundesportart Agility (deutsch: Flinkheit, Geschmeidigkeit) in England, doch auch hierzulande ist die Euphorie nicht zu bremsen. „Inzwischen werden Deutsche-, Europa- und sogar Weltmeisterschaften ausgetragen“, berichtet Bernd Rothenpieler. Während die deutschen Schwimmer in London einen traurigen Rekord aufgestellt haben, hat der erste Vorsitzende des HSV Bergkamen bereits neue Hoffnungsträger im Blick: „Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Agility olympische Disziplin wird“, meint er überzeugt.

Dass sich die Vereinsmitglieder im vergangenen Jahr für die Ausrichtung des zweitägigen Wettkampfes ausgesprochen haben, ist nur konsequent. Früher standen die Zeichen auf Vielseitigkeitssport. „Mittlerweile jedoch beschreiten wir neue Wege“, sagt Bernd Rothenpieler. Vor vier Jahren zunächst mit Obedience, nun auch mit Agility. Das Votum für das Turnier fällten die heimischen Hundesportler nach reiflicher Überlegung. „Schließlich ist die Organisation eine logistische, aber auch finanzielle Herausforderung“, betont der Vorsitzende. Die Geräte für den Parcours – Wippe, A-Wand, Steg und Co. – mussten erst angeschafft werden. Für den 32 Mitglieder starken Verein kein Pappenstiel. Dankbar sind sie für die Unterstützung von außen: „Viele befreundete Vereine haben uns ihre Hilfe angeboten“, freut sich Rothenpieler. Die Richtwerte, die jetzt ermittelt werden, sollen die Basis für künftige Agility-Turniere bilden. Die Nachfrage jedenfalls ist da: Die weiteste Anreise hatte ein Team aus Hamburg. Und auch eine Warteliste musste angelegt werden.

Denise Burkhard hatte es ins Startfeld geschafft. Nach ihrem Lauf mit Hündin Buffy war sie zwar außer Atem, aber glücklich. Prüfungsrichter Hubertus Schulte bescheinigte dem Gespann einen fehlerfreien Durchgang – und das in nur 44,67 Sekunden. Dabei war der Anfang holprig: „Ich bin ausgerutscht“, erzählt die 38-jährige Halterin vom TSV Kamen. „Das hat Buffy zunächst irritiert.“ Doch die Routine half.

Das Team verbringt in einem Umkreis von 100 Kilometern fast jedes Wochenende auf einem Wettkampf. Nicht nur um des Siegens willen, sondern vor allem aus Spaß an der Freud. Der Sport hält Hund und Frauchen gleichermaßen auf Trab – körperlich wie geistig. Die Ausbildung baut auf dem natürlichen Bewegungsdrang des Vierbeiners auf. „ Die Einheit im Parcours bringt mehr als ein zweistündiger Spaziergang“, ist sich Denise Burkhard sicher.

Im Winter finden die Agility-Turniere häufig in Reithallen statt. Überhaupt ist die Ähnlichkeit zum Pferdesport groß. Wie beim Springreiten müssen die Hindernisse sauber und schnell genommen werden. „Das ist eine hohe Kunst“, weiß Bernd Rothenpieler, der die angehenden Champions im HSV selbst trainiert. Zum Turnier wollten die Bergkamener Hundesportler ursprünglich einheitlich, in Zechenhemden gekleidet, auftreten. „Doch die waren schwer zu bekommen“, bedauert er. „Vielleicht im nächsten Jahr.“

Quelle: Westfälischer Anzeiger

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