Hundesportverein Bergkamen 1919 feierte 90-jähriges Bestehen

"Malique" kann es kaum erwarten. Der 7-Jährige zittert vor Aufregung, verfolgt jede Bewegung von Mara Kreuzenberg. Dann läuft die Musik an und der belgische Schäferhund ist kaum wiederzuerkennen.

Graziös tänzelt er zum Rhythmus aus dem Lautsprecher um seine Besitzerin. Synchron heben beide abwechselnd ein Bein, drehen sich um sich und scheinen über den Platz des Hundesportvereins Bergkamen 1919 zu schweben.

"Dog Dancing" (Hundetanz) heißt das, was das ungewöhnliche Paar dort mit sechs Beinen in perfekter Harmonie zelebriert. Denn auch wenn in Bergkamen vor 90 Jahren alles einmal mit knallharter Schutzausbildung im Polizeidienst begann - längst haben auch die Bergkamener modernen Hundesport auf dem Programm.

Es begann einmal mit den Polizeihunden

Dog Frisbee, Agility oder Obedience heißt das, was dem Hund von heute und seinem Besitzer vor allem Spaß macht. Zu Bestaunen am vergangenen Samstag beim Tag der offenen Tür zum Vereinsjubiläum.

"Malique" tanzt zu schottischen Dudelsäcken über und unter die Beine von Mara Kreuzenberg. Er schwebt im Rhythmus auf den Hinterbeinen, springt im Takt über einen Stab. Als Abschluss erklimmt der "Malinois" mit einem gewaltigen Satz den Rücken seiner Besitzerin und lässt sich stolz von den begeisterten Zuschauern bejubeln. Keine Frage: Dog Dancing ist ein echter Hingucker. Dabei hat vor 90 Jahren alles einmal ganz anders angefangen.

Es war eine "schwierige Zeit", wie Bürgermeister Roland Schäfer erinnerte. Der erste Weltkrieg war gerade erst vorüber. Europa lag in Scherben, die junge Weimarer Republik entzweiten innere Kämpfe und Hunger. Die Bergkamener gehörten zu den ersten in der Region, die einen Hundeverein gründeten. "Sie halfen später den Hammer Vereinen dabei, eigene Vereine aufzubauen", erinnerte Schäfer. Höhen und Tiefen hätten die Bergkamener Hundesportler in den 90-er Jahren erlebt. "Wir sind stolz, dass es euch gibt", betonte Schäfer.

Dass Mensch und Tier auf dem Platz am Buchenweg, vor dem Bayer-Schering-Komplex, vor allem auf Harmonie hinarbeiten, demonstrierten sie den ganzen Tag über eindrucksvoll. Jack-Russel-Terrier-Mix "Bodo" zeigte, dass er auch das kleinste Zeichen seiner Besitzerin bei den "Obedience"-Übungen sofort richtig deuten kann. Die Australien-Sheperd-Dame "Luna" flitzte dagegen lieber beim Agility über Wippen, sprang über Hindernisse und nahm die Slalomstangen im atemberaubenden Tempo.

Bei der Vielseitigkeitsübung wollten Fährten erschnüffelt, mutmaßliche Einbrecher gestellt und die schier unsichtbaren Zeichen der Besitzer mit Gehorsam beantwortet werden.

 

INFO

 

In den 60-er Jahren hatte der Hundesportverein 80 Mitglieder. Inzwischen sind es wieder 30, nachdem die Zahl zwischenzeitlich auf nur noch 15 sank.

Bürgermeister Schäfer machte deutlich, dass "wer Verantwortung für ein Tier übernimmt auch lernt, wie man damit umgeht - genau das geschieht hier".

Als Beweis streichelte Schäfer inbrünstig den 11-Jährigen "Bendit", der gerade noch einen "Verbrecher" gestellt und ihn an der Flucht durch einen Biss in den (gepolsterten) Arm gehindert hatte.

Der Vorsitzende der Kreisgruppe Hamm, Manfred Schramm, überbrachte Ehrenauszeichnungen und ehrte auch Marlies Stienen für 10 Jahre Mitgliedschaft.

Die Kreisgruppe vereint übrigens 20 Vereine mit 1000 Mitgliedern.

Quelle: Westfälische Rundschau

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